Gedanken prägen unser Leben

Eine sinnlose Aufforderung: "Denke positiv!"

Warum ist es sinnlos, jemanden zu sagen: "Denke positiv!"? Warum ist es sinnlos zu sagen: "Sehe die Krise als Chance!"? Wenn wir solche Sätze als Ratschläge für andere Menschen in den Raum stellen, sind es meistens auch nur Rat-Schläge mitten ins Gesicht der Betroffenen. Wie soll sich jemand, der gerade meint, dass für ihn die Welt untergeht, positiv stimmen? Das funktioniert nicht. Der Hormonhaushalt, also bio-chemische Prozesse werden es in diesem Moment verhindern, positive Emotionen hoch kommen zu lassen. Menschen können nicht gleichzeitig lustig und traurig sein. Diese Emotionen sind nur nacheinander möglich.

Wir denken pro Tag ca. 60.000 Gedanken

An wie viele davon kannst du dich abends noch erinnern? 5 oder 10 Gedanken? Die meisten Gedanken landen in unserem Unterbewusstsein. Deckel drauf und zu. Sie bleiben unserem Bewusstsein immer verborgen. Dennoch zeigen sie Wirkung.

 

Wenn ein Mensch überwiegend negative Gedanken denkt, wird sich sein emotionaler Haushalt danach richten und irgendwann kommt er aus diesem negativen Kreislauf nicht mehr alleine heraus. Viele versuchen es dann mit gut gemeinten Ratschlägen und versuchen krampfhaft positiv zu denken, jedoch gelingt es ihnen nicht. Vorbeugung und Motivation (auch Selbstmotivation) sind die Zauberformeln dafür, gar nicht in diese Weltuntergangsstimmung zu kommen.


Der Impfstoff gegen negative Gedanken und Emotionen


Was ist es, was uns immun macht, gegen schlechte Erlebnisse, gegen Enttäuschungen, gegen Krisen im Leben? Gibt es so etwas wie einen Impfstoff dafür? Ich denke ja, den gibt es. Je früher, also in der Kindheit, er verabreicht wird, umso besser wirkt er. Mit einem gewissen Alter im Erwachsenen-Dasein wirkt er auch noch, aber nicht mehr so stark.


Menschen werden zum positiven Denken durch Lob motiviert. Ein echtes Lob oder Kompliment, immer wieder verabreicht, wirkt Wunder. Es sollte ein ernst gemeintes Lob sein, vom ganzen Herzen ausgesprochen und nicht so technisch wirken, wie von manch einem Teilnehmer eines NLP-Seminars, aufgesetzt, mechanistisch ausgesprochen. Belobige deine Mitmenschen und du wirst überrascht sein, wie sie dein Lob beflügelt. Sie werden auch gegen Krisen und schlechte Erlebnisse immun.


Heute nennt man diese Eigenschaft Resilienz. Wer mit Lebenskrisen gut umgehen kann und sich wie ein "Steh-auf-Männchen" immer wieder aufrichtet, der schafft es auch durch tiefe Täler durch und wird kurze Zeit später wieder ein glücklicher Mensch sein.


Suggestionen, die wir immer wieder aufschnappen, negative Suggestionen, verhindern diesen Vorgang. Du kannst nicht zeichnen, nicht singen, nicht Fußball spielen, nicht deutsch, nicht rechnen usw. prägen leider das leben vieler Menschen. Wie wäre es heute damit anzufangen, positive Suggestionen mitzuteilen? Menschen zu begeistern und von sich selbst zu überzeugen? Diese Botschaft schreibe ich vor allem für Eltern von Kindern, aber auch für Führungskräfte, die eine Verantwortung für ihre Mitarbeiter übernommen haben. Schließlich auch für Menschen, die ihre Freunde zu mehr Glück und Erfolg im Leben motivieren wollen. es ist ganz einfach: Lege den Fokus auf das Positive und nicht auf das, was nicht funktioniert und kurze Zeit danach funktioniert "Positives Denken" von ganz alleine.


Univ.-Lektor Harald Mizerovsky, Dipl. HMI, Trainer und Sachbuchautor



Kommentar schreiben

Kommentare: 5
  • #1

    Josef Miligui (Freitag, 14 August 2015 16:33)

    Denke positiv ist in Krisensituationen wirklich nicht hilfreich, schon eher positive Aspekte welche der Betroffene schon erreicht hat aufzuzeigen und zur Weiterarbeit zu motivieren.

    Hr. Mizerovsky hat mich immer wieder aufmerksam gemacht, wenn ich destruktive Gedanken geäußert habe und ich habe erkannt, wie schnell ich umdenken kann und die positiven Aspekte einer Situation erkannt habe. Ich habe von ihm gelernt mit Konditionierungen solche Gedanken umzupolen.

    Es ist wieder ein sehr wertvoller Blog-Beitrag uns daran zu erinnern. Danke.

  • #2

    Helga Karl (Freitag, 14 August 2015 20:25)

    „Wie ein Mensch in seinem Herzen denkt, so ist er“ könnte man sagen. Herr Mizerovsky hat richtig erkannt: jeder Mensch braucht einen anderen Menschen, der ihm mit lebensbejahenden, lobenden, aufbauenden und ermutigenden Worten unterstüzt und bestätigt. Kinder, die mit so einem Fundament aufwachsen werden zu lebensfrohen, lebensbejahenden andere mitreißenden Persönlichkeiten, Steh-Auf-Männchen eben. Man darf fallen aber nicht liegen bleiben sondern aufstehen und weitermachen. Man darf Fehler machen, denn aus Fehlern lernt man. usw.
    Sehr guter Beitrag.

  • #3

    Ingeborg Platzer (Samstag, 15 August 2015 01:29)

    Die Rüstung zieht man an, bevor man sich in Abenteuer begibt ….

    Das ist meiner Erfahrung nach tatsächlich so, Trockentraining letztlich die Antwort. Ob es immer Spaß macht, ist eine andere Frage. Ist ein Taucher allerdings – aus welchen Umständen auch immer – kurz vor dem Ertrinken, dann nutzt es ihm wenig, wenn er weiß, dass er die Seiten 21 – 23 aus dem Lehrbuch doch hätte lesen sollen oder im Seminar nicht nur physisch hätte anwesend sein sollen. Zumindest in meinem Leben waren / sind es immer wieder Grenzerfahrungen, die mich auf den Boden der Realität zurückholen. (Selig diejenigen, die nur einmal auf die heiße Herdplatte greifen müssen.)

    Die Speisung der 60.000

    Ohne Diskussion wird man „leichter“ erwachsen, wenn man von Kind auf mit einer „Du-kannst“-Erziehung gesegnet ist, was bis heute – in unseren Breitengraden - nur selten der Realität entspricht. (Sollte ich mich irren, ersuche ich um Korrektur.)
    Wenn Frau Kraft vorhin anmerkte, „wie ein Mensch in seinem Herzen denkt, so ist er“, so kann ich dieser Aussage nur vollinhaltlich zustimmen. Die Frage ist, wie wird ein Mensch? Ein gelebtes „Du-kannst“ ist mit Sicherheit wichtig. Allerdings wage ich die Frage in den Raum zu stellen, ob nicht auch ein gelebtes „Ich vertraue dir, dass du es richtig machst.“ mit dazu gehört. Was nutzt es, im Extremfall, wenn ein Kind von klein auf lernt, dass die Welt ihm gehört und es letztlich an den dennoch nicht erfüllten (erfüllbaren?) Erwartungshaltungen der Erwachsenen zerbricht?
    So gesehen ist die Speisung der 60.000 Gedanken pro Tag ein essenzielles Thema. Im Artikel heißt es „Menschen zu begeistern und von sich selbst zu überzeugen.“ – Ja, ja und ja. Allerdings erlebe ich immer wieder, dass vergessen wird, den wichtigsten Menschen im eigenen Leben von sich selbst zu überzeugen. Nur wer mit sich selbst einigermaßen im Reinen ist, kann konstruktive Beziehungen zu anderen aufbauen, beruflich wie privat.

    Die wahren Abenteuer sind im Kopf.

    Wer erinnert sich noch an diesen Werbeslogan der BuchhändlerInnen? Stimmt aber, finde ich. Mir selbst zu begegnen, ist für mich oft genug ein Abenteuer, nicht immer ein geheures, mit Verlaub. Wie es anderen damit gehen mag, sei hier dahingestellt. Aber auch wenn ich mitunter an mir selbst zu verzweiflen drohe, letztlich ist es meine Entscheidung, was ich von mir denke. Und wie ich dies artikuliere. Im Umgang mit mir selbst und mit anderen Menschen.
    So bleibt – als Moral von der Gschicht – die Tatsache, dass wir, ab einem gewissen Alter, für uns selbst verantwortlich sind und somit auch für unsere Gedanken. Es ist mein Film und ich bestimme, wer darin welche Rolle bekommt. Das hat nichts mit stumpfem Egoismus zu tun, im Gegenteil. Erst dann kann ich aufrichtig einladen, weil dann Raum für ein Du ist, für einen gemeinsamen Film, in dem beide Einzelfilme ihren Platz finden.
    Man kann immer an sich arbeiten, da stimme ich dem Autor zu. Man ist dazu wohl auch verpflichtet. Naturgemäß wird es nicht leichter, ich meine, wer schon mal seine starke Hand in Gips o.Ä. hatte, weiß, was es heißt, plötzlich alles „anders“ anzupacken. Einfach ist es nicht, aber es lohnt sich.

    Lobhudelei…

    … ist eines meiner deutschen Lieblingswörter. Wie schnell schmiert man doch Menschen Honig ums Maul, wenn es um eigene Anliegen geht? Der Stellenwert von „echtem“ Lob kann nicht unterschätzt werden. Wiewohl es hier darum geht, die Wahl des Freundeskreises zu überdenken. Und die Frage, ob ich mir „ehrliches“ Lob leisten kann. Dazu noch – Will ich mir ehrliches Lob leisten?
    Von Wappnung und Selbstliebe habe ich gesprochen. Was abschließend noch fehlt: Bin ich mir bewusst, wenn ich mir Ehrlichkeit leiste, dass ich damit auch ein Risiko eingehe?

  • #4

    Franz Pissinger (Samstag, 15 August 2015 14:16)

    "Menschen können nicht gleichzeitig lustig und traurig sein. Diese Emotionen sind nur nacheinander möglich."

    Das stimmt! Dies bezieht sich jedoch nur auf unser Bewusstsein. In unserem tiefen Inneren sind aber alle Gefühle in der Gleichzeitigkeit vorhanden. Was wir bewusst wahrnehmen hängt davon ab, wo wir den Scheinwerfer unserer Aufmerksamkeit hinrichten. Wenn wir in einen dunklen Raum gehen und diesen mit einer Taschenlampe ausleuchten, nehmen wir nur das war, worauf wir den Lichtstrahl richten, obwohl sich alles gleichzeitig im Raum befindet.

    Wenn wir denken "Ich bin traurig" dann richten wir den Scheinwerfer unserer Aufmerksamkeit auf die Trauer und die Fröhlichkeit liegt im Dunklen. Deshalb ist es vorteilhafter zu denken "eine Seite in mir empfindet Trauer" denn dies reduziert die Trauer sofort und impliziert, dass es auch eine andere Seite gibt, nach der man jetzt bereits Ausschau halten kann - nämlich die "Fröhliche".

    Was das positive Denken betrifft: Ich kam einmal mit einer älteren Dame ins Gespräch, die sich unentwegt negativ äusserte und dann sagte: "Wo ich auch hinschaue sehe ich in meinem Leben nichts Positives" Ich sagte daraufhin: "Das ist ja sehr positiv". Sie sah mich irritiert an und sagte: "Was ist da positiv" Und ich antwortete: "Die Tatsache, dass Sie sehen können, denn manche Menschen sind blind." Dann fügte ich hinzu: "Ich weinte weil ich keine Schuhe hatte bis ich einen traf der keine Beine hatte". Dieses sogenannte "Refraiming" veränderte die Sicht der alten Dame sofort und zauberte ein Lächeln auf Ihre Lippen. Solch ein Refraiming kann man auch mit sich selber machen. Einer der besten Methoden um dauerhaft Unglücklich zu sein ist es, den Scheinwerfer seiner Aufmerksamkeitsfokussierung auf die Dinge im Leben zu richten, die nicht in Ordnung sind. Und wenn man dann etwas in Ordnung gebracht hat ist man kurz erfreut und richtet den Scheinwerfer weiterhin auf die Dinge die scheinbar nicht OK sind. Diese negative Endlosschleife kann man aber auch ins Positive verwandeln, indem man diesen Prozess umkehrt und den Scheinwerfer auf die Dinge im Leben richtet, mit denen man zufrieden ist. Hilfreich dazu sind auch Fragen. Wenn wir uns Fragen stellen lösen wir einen unbewussten Suchprozess aus, um Antworten zu finden. Deshalb ist es wichtig die richtigen Fragen zu stellen. Wenn wir z.B. fragen: "Warum ist die Welt so schlecht?", dann bekommen wir auch darauf Antworten jedoch nur solche, die uns bestätigen, dass die Welt schlecht ist und wir dadurch weiter in negativen Gefühlen gefangen bleiben. Sehr sinnvolle Fragen hingegen die automatisch zu einer positiven Sichtweise und daraufhin folgenden positiven Gefühlen führen sind: "Wofür habe ich Grund dankbar zu sein?" "Wieso bin ich reich?" "Was habe ich heute positives erlebt?" "Was werde ich morgen positives erleben?" "Wodurch werde ich morgen Freude erfahren und wie kann ich anderen Menschen Freude bereiten?" Ein besonders guter Zeitpunkt diese Fragen zu stellen, ist im Übrigen kurz vor dem Einschlafen, da unser Unterbewusstsein die Suche nach den Antworten während des Schlafs und in den Träumen weiterführt.

  • #5

    E. Maria (Sonntag, 16 August 2015 23:19)

    Ich finde ebenso wie Herr Mizerovsky, dass Lob gut ist für die positive Stimmung eines Menschen. Ebenso wichtig ist es, Kritik konstruktiv anzunehmen und sie als Wertschätzung zu erkennen, denn eigentlich bedeutet es, dass sich der Kritiker mit dem Menschen auseinandersetzt, der er sie zukommen lässt. Bei beiden Kriterien ist wichtig, dass sie ehrlichen Herzens kommt, nicht destruktiv vorgetragen wird in (Unter)ton und mit achtvollen Worten. Am aller förderlichsten empfinde ich jedoch, wenn aus ehrlichem Interesse heraus Meinungsaustausch stattfindet, wo nicht Hirarchie im Hintergrund abläuft. Lob und Kritik hat ein wenig einen Tatsch von Autoritärem, das viele von unserer Generation noch von der Zeit des Heranwachsens kennen. Daher laufen auch wahrscheinlich viele Schwierigkeiten einher, Lob oder Kritik sachlich aufzunehmen und zu behandeln. Viele sehen schon in der Tatsache, dass jemand andere Auffassungen hat als er selber einen unangenehmen Beigeschmack von Angriff oder Bedrohung der eigenen Position. Das kann ich besonders gut in der politischen Szene beobachten. So manche Debatte von sachlichen Themen ufert dann in hitzige Wortgefechte aus und lässt kaum mehr nüchternen Austausch von Meinungen und Informationen zu, geschweige denn Lösungen. Neben Lob oder Kritik finde ich die Bereitschaft und die Offenheit wichtig, Aufgeschlossenheit und freien Meinungsaustausch, ohne jemanden in irgend einer Form zu diskriminieren in der Komumikation. So ist schon einmal der Nährboden gelegt für freie Meinungsäusserung und Wertschätzung JEDER Meinung. Denn was bring Lob und Kritik alleine, wenn die Stellungnahme unterbunden oder hirarchisch eingestuft wird und damit nur im Rahmen vorgegebenen Erwartungen stattfinden darf. Positives Denken kann schwer in einem Umfeld entwickelt werden, wo Meinungen und Einstellungen schon vor bewertet sind, somit Kritik an den vorgegebenen Werten vorab als Angriff und Gefahr dieser Werte eingestuft wird. Hirarchien machen es oft sehr schwer bis unmöglich wertfrei, vorurteilslos mit einander zu leben und lösungsorientiert zu kommunizieren. Wertschätzung ist meines Erachtens die Vorstufe von Positiver Lebenseinstellung und Lebensführung.